Die erste Pokalrunde ist bereits erledigt und der Frühstart für die Bundesligisten sorgte für die üblichen Überraschungen. Bemerkenswert waren jedoch die unfassbar groben Fehlentscheidungen der Unparteiischen in unfasslicher Menge. Da freute man sich als Anhänger des Fußballsports darüber, dass Peter Gagelmann endlich, endlich, endlich nach 214 schon wenig erfreulichen Einsätzen in der Bundesliga in Rente ist, doch seine spezielle unrühmliche Rolle als Entscheider von Pokalspielen ist offenbar umkämpft. Leider muss auch der beste deutsche Schiedsrichter Florian Meyer nach dieser Saison gehen. Im Gegensatz zu dem Korrumpel aus Bremen kann man dem unparteiischen Niedersachsen wohl keine Karriere in Schiedsrichtergremien prophezeien. Neues wie das Freistoßspray gibt es ja in dieser Saison nicht, also können sich die etwa zwei Dutzend Bundesliga-Schiris an den altbekannten Regeln mühen und an der Auslegung von Handspielen herumdilletieren. Zwar könnte ja nun jemand einwenden, dass es die Torlinientechnologie in die 18 Stadien geschafft hat, doch darf man gleichermaßen Zweifel äußern, ob die 306 Spiele auch nur ein einziges Mal den sinnvollen Einsatz der Technik benötigen.

1.FC Köln

Angesichts von neun Spielen ohne jedes Tor scheint die Torlinientechnologie bei Spielen der Kölner am sinnlosesten. Da der Rheinländer und speziell der Kölner ein spezielles Lokalmimöschen ist, ist der gerade entstehende Text für ihn oder auch sie natürlich nur schwer zu ertragen, da weder das Double, noch der Sieg in der Championsleague vorhergesagt wird. Trotzdem steht die Mannschaft von Peter Stöger auf der Liste möglicher Überraschungen sehr weit oben. Stöger und Geschäftsführer Jörg Schmadtke haben das Team Stück für Stück weiterentwickelt und auch die vergangene Saison war ein Schritt voran. Nüchterne Arbeit schlägt bloße Begeisterung. Gleich am Anfang der Saisonvorschau war ja von der Sinnlosigkeit vieler Transfers die Rede. Ausdrücklich sollte man den FCK hier ausnehmen. Vorne sollte Modeste seinen Vorgänger Ujah mehr als nur ersetzen können. Im Mittelfeld sollte Milos Jojic für mehr Power und Torgefahr sorgen können. Ein Leandro Bittencourt ist vielleicht etwas zu teuer als Experiment, aber wenn jemand den Begabten zu einem vollwertigen Bundesligaspieler weiterentwickeln kann, dann vielleicht Stöger. Den fast immer souveränen Kevin Wimmer zu ersetzen, wird nicht einfach. Doch die Talente Heintz (Die buckligen Kinder von Landau) und Frederik Sörensen haben zumindest gute Anlagen dafür. In der Domstadt wurde also alles dafür getan, dass zumindest der nächste Mittelfeldplatz noch sicherer wird. Bei 13 Unentschieden und 13 Spielen mit nur einem Tor Differenz in der letzten Saison sind nur winzige Änderungen nötig, um enorm viel am Punktekonto zu ändern. Und wenn nach einem guten Saisonstart der Ruf nach Europa nicht ernst genommen wird, ist Europa nicht ungebedingt unmöglich.

Mainz 05

Von Domstadt zu Domstadt. Heimlich still und leise entwickelt sich der FSV Mainz 05 zum Krösus der Liga. Der Umbau des alten Bruchwegstadions in Onkel Dagoberts Geldspeicher soll bereits bei der Stadt beantragt worden sein. Knapp 25 Millionen an Ablösesummen wurden eingenommen. Dieses ist allerdings nur ein Trinkgeld verglichen mit mindestens einer Viertel Milliarde Euro, die Mainz in den nächsten Jahren vom Vermarkter Infront erhält. Manager Heidel führt den „kleinen“ Verein dieses Jahr an die Grenze von 100 Millionen Umsatz.
Ob die Mannschaft diese Entwicklung mitmachen kann, bleibt zu bezweifeln. Einerseits muss der schweizer Trainer Martin Schmidt nun von Anfang an beweisen, dass er nicht doch ein Blender ist, andererseits fehlen gerade Geis und Okazaki noch an allen Ecken und Enden. Geis bei den Ecken, Okazaki an den Enden. Hinten dagegen sieht es gut aus. Insgesamt konnte die Abstimmung bislang nicht überzeugen. Es stecken zwar viele Möglichkeiten im Team und doch wäre Mainz als negative Überraschungsmannschaft kein Wunder, rein sportlich, natürlich.

Werder Bremen

Wer Werder wunderlicherweise zu den Anwärtern auf internationale Plätze einstuft und manche tun das tatsächlich, der erntet zurecht Kopfschütteln. Die Mannschft sei inzwischen eingespielt und punktuell verstärkt worden. Wie bitte? Skripnik wechselte wissentlich, doch wunderlich wie wild die Startformationen. Warum er das tat, ist einfach zu beantworten. Die gesamte Statik des Spiels war höchst fragil. Weshalb sich das nicht änderte, ist auch klar. Kein einziger Spieler brachte konstante Leistungen. Wieso das letztes Jahr ausreichte die Liga zu halten, ist auch einfach zu erklären. Andere waren noch schlechter und es gab Spiele, in denen die Glücksgöttin Werder nicht nur winkte, sondern einen Vollstriptease hinlegte. Letztes Jahr wurde an dieser Stelle für Werder ein Trainer gefordert, der mehr Talente mehr fördert und mehr von ihnen fordert. Viktor Skripnik ist durchaus ein solcher Trainer. Aber eben auch einer, der sich bislang nicht festlegen wollte oder konnte, welche Talente diese Behandlung denn wert sind. Was wohl unweigerlich passieren wird, ist, dass sobald es nicht läuft, der Geschäftsfüherer Thomas Eichin angegriffen wird, natürlich wieder mit dem armleuchtenden Argument, er hätte als früherer Manager im Eishockey nicht die nötige Vernetzung im Fußball. Traurig genug, dass man an der Weser für dumme Aussagen heutzutage nicht mal mehr Willi Lemke braucht.

Eintracht Frankfurt

Ob in Frankfurt wieder Eintracht herrschen wird, hängt wohl ganz vom sportlichen Abschneiden ab. Trotz einer guten Saison wurde vom Aufsichtsratsvorsitzenden in der Sommerpause in einer Weise gegen Ex-Trainer Thomas Schaaf nachgetreten, wie an es in der Bundesliga so kurz nach einer Trennung in den letzten Jahren selten gehört hat. Wie Schaaf hatte ja auch Vorgänger und Nachfolger Armin Veh die Eintracht freiwllig verlassen.  Also soll nun auch vom Sportlichen die Rede sein. Abgesehen vom Abgang des Torhüters steht Veh ein Kader zur Verfügung, mit dem die letztjährige Punkteausbeute durchaus übertroffen werden kann. Schon jetzt kamen mit Abrahem, Reinartz und Castaignos für jeden Mannschaftsteil Spieler, die zu deutlichen Verstärkungen werden können. Nun muss ein System entwickelt werden, in dem die anfälligen Außenverteidigerpositionen entlastet werden. Die Stimmung in Frankfurt ist jedenfalls ausgezeichnet. Doch gerade in dieser Situation müssen nun auch Taten auf dem Spielfeld folgen.

TSG Hoffenheim

Die TSG geht weniger den je als Dietmar Hopp´s Verein in eine Saison. Über 50 Millionen Euro wurden an Ablösesummen eingenommen und für keinen neuen Spieler wurden mehr als vier Millionen in die Hand genommen. Fast muss man schon befürchten, dass der Dorfklub zu einem ganz normalen Verein wird. Ganz normal ist leider langweilig, ist Konsensscheiße. Und so ist zu hoffen, dass die Spiele nachwievor torreich bleiben, beziehungsweise sogar wieder mehr Tore fallen werden, wie auch im Rest der Liga die Torquote wieder ansteigen sollte. Wenn Trainer Gisdol das dynamische Offensivspiel weiter entwickelt, stehen auch nach dem Abgang des bis zum jetzigen Stands teuersten Spielers der Geschichte der Liga Roberto Firmino die Chancen gut, dass Hoffenheim die Liga bereichert.

Borussia Dortmund

Dortmunds größter Philosoph konstatierte kurz vor dem neuen Spieljahr, dass jede Saison ultrawichtig séi. Nun, wenn Herr Reus in der theoretischen Prüfung weiterhin alle Möglichkeiten ankreuzt, so haben wenigstens die Taxifahrer in Dortmund ein sicheres Auskommen. Man möchte ergänzen: Die nächste Saison ist immer die schwerste und: Nach der Saison ist vor der Saison. Das wird der Situation in Dortmund allerdings keineswegs gerecht. Auch wenn es so nicht öffentlich kundgetan wird, ist doch die Rückkehr in die Championsleague das deutliche Ziel, das auch erreicht werden muss, um einige Spieler zu halten, die andernfalls gehen würden, entweder um in der europäischen Elteklasse zu spielen oder um mit Millionen Pfund aufgewogen zu werden. Die notwendigen Ziele unausgesprochen zu lassen, ist vollkommen logisch, denn diese werden schwierig genug zu realisieren sein.
Da ist zunächst mal ein neuer Trainer. Tuchel betritt als Cheftrainer in Dortmund absolutes Neuland. Im einst beschaulichen Mainz lieferte eine famose Arbeit ab, diese jedoch in einer Stadt, die kaum größer ist als das Fassungsvermögen des Westfalenstadions mit erfolgshungrigen, durchaus verwöhnten schwarz-gelben Fans. Auch die Arbeit mit Spielern, die fast alle schon Titel gewonnen haben, dürfte für den manchmal etwas überehrgeizigen Tuchel eine Herausforderung werden. Solche Spieler musste er noch nie auf die Bank oder die Tribüne setzen. Gerade im Mittelfeld stehen diese Aufgaben allerdings an, da im Kader schon fast so viele Spieler für das Zentrum stehen wie bei den Bayern.
Am wichtigsten jedoch ist, dass die Dortmunder Mannschaft ein neues Selbstbewusstsein benötigt. Auch in Vorbereitungsspielen, beziehungsweise der Europaligue-Qualifikation fiel die Mannschaft bei echter Gegenwehr kollektiv in Verwaltensmuster der letzten Saison zurück. Wie ein Virus steckte ein Spieler den anderen mit Unsicherheit und Versagensängsten an. Deswegen ist ein guter Start für den BVB extrem wichtig. Nur wenn trotz der Veränderungen im Spielsystem von Anfang an guter und noch besser erfolgreicher Fußball gespielt wird, dürfen im Laufe der Saison die Saisonziele auch laut ausgesprochen werden.

Ein Problem dabei dürften die Mannschaften sein, die im letzten Teil der Vorschau besprochen werden.